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Ein Törn voll mit schönen Augenblicken

Nun ist der Kiel-Wolgast-Törn vom 29.06. bis 05.07.2008 schon 4 Tage her, aber ich wäre trotzdem immernoch lieber auf der Nobile als hier in Berlin. Es war mal wieder wunderbar vom Wind über das Meer von Hafen zu Hafen geschickt zu werden.

Der Treff war am Samstag in Kiel. Dort fand ja zu dem Zeitpunkt die Kieler Woche statt. Man, war das ein Menschenmassenauflauf! Ich bin dann immer total froh, dass man sich in einem solchen Trubel auf die "Insel Nobile" zurückziehen kann.

Sonntag Mittag ging die Reise dann endlich los. An Bord waren wir 14 Männer und 3 Frauen die sich zunächst auf den Weg nach Bagenkop (Dänemark) machten. Zwar setzten wir das Großsegel, die Fock und den Klüver, aber lange konnten wir uns nicht dran erfreuen. Bei Windstärke 2 war einfach nicht viel zu holen. Also machte unser Maschinist Elfriede Feuer unter'm Hintern und ließ uns somit pünktlich zum Abendbrot in Bagenkop anlegen. Später setzten sich die Fußball-Interressierten in den überfüllten hafeneigenen Fernsehraum und guckten das EM-Endspiel.

Spätestens zum Frühstück am Montag morgen hatte niemand mehr am Ergebnis des Spiels zu knabbern. Es gab nämlich fulminante selbstgebackene Brötchen. Gut gestärkt segelten wir dann 59,1 Seemeilen. In der Nähe von Gedser ankerten wir dann einfach so. Das hatte natürlich 'ne Ankerwache unterm Sternenhimmel zur Folge.

Der eine oder die andere konnte einfach nicht widerstehen und kletterte abends oder morgens zum Baden die Strickleiter hinunter in die ruhige See.

Am Dienstag wollte leider kein Lüftchen wehen und somit hatte Elfriede mal wieder die Chance alles zu geben. Wer Glück hatte, konnte zwischendurch einen von den zauberhaften Latte Macciato ergattern. Am Abend liefen wir in Sassnitz ein. Als wir dann beim Ankerbier auf Deck weilten, flogen viele dickbäuchige Schwalben sehr enthusiastisch durch's Rigg. Das fetzte.

Der folgende Mittwoch führte uns in das malerische Hafenörtchen Gager. Reedgedeckte Häuser fügten sich wunderbar in die dahinter liegenden grasbedeckten Hügel ein. Auf dem Weg dahin fuhren wir 3 Wenden; begleitet von Windstärke 4. Da der Hafen sehr eng war, legten wir mit Hilfe des sogenannten krabbenden Ankers an. Ich war nicht die Einzige die diese Methode faszinierend fand. Später luden die ruhige Umgebung und das Wetter zum Schlafen auf dem Deck ein.

Von Gager ging`s dann am Donnerstag weiter nach Lauterbach. Das war ein Spaß ! Auf der See tobte nämlich Windstärke 6-7. Da blieb kaum eine Hose trocken. Plötzliche Duschen waren keine Seltenheit und trugen zur allgemeinen Belustigung bei. Die Labskausköche und Freunde veranstalteten eine Kartoffelschälaktion auf dem Deck der schräg liegenden Nobile. Als Zwischenmahlzeit wurde ein leckerer Quark mit Erdbeeren serviert. Für mich persönlich war dieser Tag der beste Segeltag. Die Sonne schien, der Wind ließ die Hose an den Beinen flattern und die Nobile trug uns sanft durch die wilden Wellen. Das schmeckte nach Freiheit.

Tja, dann war leider schon Freitag. Wir mussten uns wohl oder übel langsam in Richtung Wolgast bewegen. Da wir in Lauterbach an einer ziemlich fürchterlichen Pier (angebaute Eisenteile) lagen, schoben wir die Nobile beim Ablegen ein bisschen mit dem Dinghi in die richtige Richtung. Mir war's bis dato gar nicht klar gewesen wie leicht die alte Lady zu bewegen ist.

Da wir noch Lust auf's Segeln hatten, machten wir einen kleinen Abstecher zu der winzigen Insel Ruden. Die gehörte früher mal zur Raketenversuchsanstalt. Inzwischen ist sie ein Naturschutzgebiet mit ganz wenigen Menschen und Schafen. Zunächst gab's Kaffee und selbstgebackene Amerikaner. Anschließend stürzten wir Nobiletiere uns direktamente ins kühle Nass. Es gibt da nämlich eine Badestelle an der man ewig laufen kann, ehe es tief wird. Somit war die Wassertemperatur bestens.

Gegen dreiviertel 9 passierten wir dann die große blaue Zugbrücke in Wolgast. Kurz darauf legten wir an der Pier direkt neben einer Bühne an. Es fand gerade der jährliche Hafengeburtstag statt. Zuerst bekamen wir Applaus und später Musik zu hören.

Am Samstag wirbelten dann alle nochmal über und durch die Nobile um für die anstehende "Open-Ship"- Veranstaltung alles ins Reine zu bringen.

Insgesamt gesehen war der Törn voll mit schönen Augenblicken. Da es für mich der erste bewusst erlebte Törn (was das Segeln angeht) war, gab es natürlich auch wahnsinnig viel zu entdecken und lernen. Ich freu mich schon auf's nächste Mal, vielleicht mit Dir :) .

Alles Gute, Anne