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Erlegen und beschießen - ein Reisebericht von der Nobile

Achterdeck der Nobile

Auf dem Achterdeck wird es ruhig. Das Schiff gleitet jetzt lautlos durch die nur noch leicht gekräuselte Ostsee. Die Sonne funkelt golden und alle warten gebannt darauf, dass sie sich ins Meer stürzt. Es ist August, den Wochentag weiß ich nicht mehr, aber man hat den Eindruck schon ewig an Bord zu sein. Dabei ist es erst wenige Tage her, dass wir uns in Eckernförde das erste Mal trafen.

Hilmar, unser Kapitän, erzählt irgend welches Seemannsgarn von einem Dirk, der nicht aufgehängt und erschossen wurde und deshalb irgendwie mit irgendwas vertüdelt war, oder so. Die Stammcrew lacht. Wir schauen uns fragend an. Naja, "aufhängen und erschießen'', die Seeleute sprechen schon eine komische Sprache. Gott sei dank erklärt Juli von der Stammcrew uns das immer wieder sehr geduldig. Juli ist der Toppsgast, das heißt, dass sie beim Segeln die Fäden in der Hand hält. Natürlich hält sie die Fäden nicht wirklich selber in der Hand, denn es gibt ziemlich viele von den Fäden. Sie haben so merkwürdige Namen wie: Klaufall, Fliegerschot oder BackBordBullenkalb...(die spinnen die, Seefahrer).

Arbeiten auf dem Klüverbaum

Die Reise ist irgendwie anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Aber egal, wir haben hier eine gute Zeit. Bei den Manövern machen alle mit, und hey, sie klappen schon echt gut. Heute Morgen haben wir im Hafen die Segel gesetzt. Die Segel sind unglaublich groß. Deshalb ziehen alle zusammen an irgendwelchen Seilen um sie zu setzten. Juli, unser Toppsgast, gibt dabei Kommandos. Zum Schluss wieder "abhängen und aufschießen". Von außen muss das ein echtes Spektakel sein, denn an der Mole hat sich eine Menschentraube gebildet.

Backschaft

Die Backschaft (das sind die, die gerade Kochen) kommt mit Tee und Kaffee an Deck und setzt sich zu uns. Es fehlen nur noch Markus und Melle, unser Teenie-Pärchen. Die liegen bestimmt wieder vorne im Netz (das ist unter dem langen "Klüverbaum'' angebaut) und knutschen. Walter hat seine Pfeife angesteckt, die duftet nun. Walter ist schon zum dritten Mal mit, er hat einen Seemannsbart und trägt ein Fischerhemd. Manchmal singt er leise Hans-Albers-Lieder. Nächstes Jahr will er seinen Enkel mitbringen.

Abendstimmung an Deck

Das freut Martin, der ist unser Jüngster und mit seinen Eltern da. Er hat zwei Lieblingsbeschäftigungen. Entweder klettert er am Mast herum (der hat links und rechts solche Strickleitern wie in den Piratenfilmen) oder er steht am Lenkrad (das nennen die hier Ruder. Die spinnen, die...). Jetzt steht er gerade am Ruder und blinzelt abwechselnd in den Sonnenuntergang und auf den Kompass.

Inzwischen ist die Sonne untergegangen, und wir gleiten weiter durch die Nacht. Über uns funkeln die Sterne und Hilmar zeigt den Andromedanebel. "Das ist unsere Nachbargalaxie, die sieht man in der Stadt praktisch nie." Hilmar weiß echt Bescheid, er ist nämlich ein richtig echter Kapitän.

Das merkt man ihm nicht immer an. Gestern haben wir ein anderes Traditionsschiff überholt und im Vorbeisegeln mit unserer Feuerlöschpumpe geduscht. Die haben gleich zurückgeschossen, hatten aber keine Chance. Wir waren einfach schneller. (unser Schiff heißt nicht umsonst "Rennkutter Nobile") Hilmars Grinsen ging von Ohr zu Ohr. Er hat sich fast mehr gefreut als Martin.

Feierabend

Jetzt ist er wieder ganz Kapitän. Er verschwindet in die Navi und bereitet im grünen Licht des Radars die Ansteuerung des Ankerplatzes vor. Petra und Franzi freuen sich schon auf das Vollmond-Bad, wenn der Anker unten und die Segel geborgen sind.

Badespass vom Klüverbaum

Heute Mittag war der Wind sehr schwach, so dass wir auch beim Segeln baden konnten. Man kann vom Baum (so heißt das lange Holz unter dem großen Segel) springen, und sich dann an einer langen Leine hinter dem Schiff herziehen lassen. Was für ein Spaß!

Unser Ankerplatz liegt in einer kleinen Bucht unterhalb einer kleinen dänischen Stadt. Morgen wollen wir vor dem Losfahren einen Landgang machen. Man sieht schon die kleinen Häuser, die winzige Kirche und die Fischerbote im kleinen Hafen.

So ein Fischerboot haben wir gestern auf See herangewunken, um einen Eimer Schollen zu kaufen. Walter kann nicht nur schön singen, sondern auch 1A Schollen braten.

ruhige Stunden im Klüvernetz

Jetzt geht's los, ich stehe mit Sanne und Stefan (die sind Schwaben und kennen genau so viele seltsame Wörter wie die Seeleute) vorne im Klüvernetz unter den funkelnden Sternen und fange die Segel ein, die langsam heruntergleiten. Platsch, rattatatata da fällt auch schon der Anker. Hinten wird langsam das mächtige Großsegel eingepackt.

Beim Ankerbier (Segelbier gibt es wegen der Sicherheit nicht) an Deck verspricht Hilmar, dass das Wetter stabil bleibt und so entscheiden einige, nicht in den Kammern, sondern an Deck zu schlafen. Wir sind noch lange wach, schauen in die Sterne und quatschen. Ich frage Juli was es mit dem "beschließen und aufhängen" auf sich hat. Richtig heißt es belegen und aufschießen. Belegen bedeutet fachgerecht festtüdeln, und aufschießen ist, wenn man die Leine aufwickelt und an den richtigen Ort hängt. Aha.

Übermorgen werden wir zurück segeln. Schade.